Vortrag im Spiegelsaal

Ein leerer Himmel oder das Kommen des Messias?

Studienleiter der Kolping Akademie Dr. Jochen Wagner über das Alter und die Zeit danach. Das Thema „Wie können wir gut alt werden“ stand auf dem Programm der Kolping Akademie am 27. November. Als Referentin in den Spiegelsaal des Kolpinghauses sollte an sich Prof. Dr. Julia Lehner kommen, zweite Nürnberger Bürgermeisterin und Kulturpolitikerin. Leider musste sie kurzfristig absagen, doch Dr. Jochen Wagner, der Studienleiter der Kolping Akademie, der an sich den Abend moderieren sollte, sprang als Referent ein und bot einen hochinteressanten Vortrag zum Nach- und Weiterdenken.


Mit ganz unterschiedlichen Streiflichtern näherte er sich der Thematik Alter und stellte sich auch der Frage nach dem Tod – und wie es dann weitergehen kann. So schaute er sorgenvoll auf die Diktatoren XI und Putin, die beide über 70 Jahre alt sind und sich Gedanken machen, wie sie ihr Leben verlängern können, bis sie das Alter von 150 Jahren erreichen. Ganz anders die beiden Kessler-Zwillinge, die mit 89 den assistierten Suizid wählten. 

Der römische Philosoph Seneca wusste um die nachlassenden körperlichen Kräfte im Alter. Aber das war für ihn zweitrangig; entscheidend war vielmehr, geistig fit zu bleiben durch geistige Betätigung.  

Die Schriftstellerein Elke Heidenreich, mittlerweile 81 Jahre alt, lebt mit einem Mann zusammen, der 28 jünger ist als sie. Sie sieht ihr Alter durchaus positiv, und sie nimmt es gelassen.

Wie aber altert jemand, der sich als religiös unmusikalisch bezeichnet? Jochen Wagner sprach über den Philosophen Jürgen Habermas, mittlerweile 96 Jahre alt und immer noch hochaktiv. Habermas musste sich mit dem Tod seiner Tochter Rebekka auseinandersetzen; er weiß darum, dass die atheistische Aussage: „Der Himmel ist leer“ beklemmend ist. Denn ist da nicht der Wunsch, so Wagner, der Tochter in der Ewigkeit zu begegnen und ihr „Danke“ zu sagen? Und, ja, so Wagner, es ist nicht ausgeschlossen, dass der Messias kommt und Gerechtigkeit schafft. Und dies angesichts der Erfahrung von Ohnmacht gegenüber dem Zynismus der Diktatoren und der Zerstörung der Schöpfung durch den Klimawandel.  Wenn aber der Himmel leer ist und es keinen Messias gibt, so wird Abel keine Gerechtigkeit erfahren.

Mit zunehmendem Alter, so die Erfahrung Wagners, wird die Zeit knapper. Mein körperliches Ich zeigt dem geistigen Ich Grenzen auf. Die Wege werden kürzer, es geht in Richtung Sarg; das Alter ist die letzte Phase des Lebens. Und es stellt sich mehr und mehr die Frage danach, ob am Ende tatsächlich kein „Happy End steht – oder doch der Messias kommt, um Gerechtigkeit zu schaffen.

Raymund Fobes

 

27.11.2025