Von Wien aus immer weiter in den Südosten – Martin Zinggl berichtete über seine Abenteuer auf dem Sultans-Trail.
In dieser Situation wurde der 40-jährige auf den Sultans-Trail aufmerksam. Benannt ist dieser Weg nach dem osmanischen Sultan Süleyman I., der am 10. Mai 1529 von Istanbul seinen Feldzug Richtung Wien startete und nach 141 Tagen vor den Toren der Stadt stand. Der Weg, der nicht genau der unbekannten Route Süleymans folgt, wurde von der niederländischen NGO Sultans Trail International entwickelt und ist weit weniger bekannt als der Jakobsweg in Richtung Westen und mithin auch nicht so überlaufen. Nur 21 Wanderer hätten sich im Jahr 2022 per pedes auf den Weg gemacht, sechs davon sind ihn bis zum Ende gegangen, sagt Zinggl. Der Sultans Trail soll vor allem der Völkerverständigung dienen – indem er den Westen mit dem Osten verbindet. Martin Zinggl sprach dieser Weg sehr an, und so startete er im Mittelpunkt seiner Heimatstadt am Stefansdom. Es war der 10. Mai 2023, genau 494 Jahre, nachdem Süleyman in Istanbul aufgebrochen ist. Zinggl startete mit leichtem Gepäck, ein Zelt nahm er nicht mit. Er plante, an jedem Abend eine Unterkunft zu suchen. Dass dies nicht einfach ist, musste er bereits am ersten Abend, noch in Niederösterreich, erleben. Kurzfristig konnte er die gebuchte Unterkunft nicht beziehen, eine andere wurde gesucht, und schließlich verbrachte er die erste Nacht in einem Keller. Für Zinggl ein frustrierender Beginn, hatte er sich doch auf ein warmes Bett und ein nahrhaftes Essen gefreut. Trotzdem ging er - nachdem ihn drei Männer aus dem Balkan ermutigt hatten – weiter, Schritt für Schritt, etappenweise. Als er in Bratislava ankam, spürte er: „Jetzt schaffe ich es auch noch nach Istanbul.“ Und auf dem Weg erlebte er dann noch Schwierigkeiten, denen gegenüber das Kellerquartier bei seiner ersten Übernachtung nichts war. Oftmals musste er durch unwegsames Gestrüpp marschieren, und in Serbien wurde er von wilden Hunden gejagt und gebissen. Erst ein Elektroschocker half ihm. Den brauchte er aber gar nicht wirklich einzusetzen, weil die Tiere schon wegliefen, wenn sie nur das Aufblitzen des Schockers sahen. Positiv wusste Zinggl zu berichten, dass er gerade im Balkan eine sehr herzliche Gastfreundschaft erlebte. Weniger gefiel ihm allerdings, dass er als Veganer beim Essen immer nur bei Käse, Tomaten und Gurken zugreifen konnte, da die Balkanküche sehr fleischlastig ist.
Aber auch Kurioses erlebte Zinggl auf seinem Trip in den Osten: So besuchte er den Scheinstaat Liberland, der im Niemandsland zwischen Kroatien und Serbien an der Donau liegt und in dem man für viel Geld eine Staatsbürgerschaft erwerben kann, um in einem Steuerparadies zu leben. Oder er ging ohne jegliche Kontrolle über die EU-Auslandsgrenze, die er wegen illegaler Einwanderer für sehr abgesichert hielt. Ganz andere Erfahrungen machte er jedoch, als er zu Fuß die griechisch-türkische Grenze passieren wollte, was grundsätzlich verboten war. Zinggl hatte mit einigem Geschick in Sofia beim griechischen und beim türkischen Botschafter Sondergenehmigungen eingeholt, doch an der Grenze selbst wurden sie nicht anerkannt. Nach längerer Wartezeit ließ der griechische Grenzbeamte ihn passieren, doch der türkische gewährte nicht die Einreise. Da Zinggl auch nicht wieder nach Griechenland zurückkehren konnte, blieb er stundenlang im Niemandsland, bis sich schließlich ein Fahrzeug erbarmte, ihn über die Grenze zu bringen. Danach ging es dann weiter für ihn als Fußgänger, bis er schließlich nach 102 Tagen sein Ziel erreichte: die Suleiman-Moschee in Istanbul.
Wer mehr über Martin Zinggls Trip in die Türkei wissen will, kann dies in seinem Buch mit dem Titel „Das ist kein Spaziergang“, erschienen im Kneseback-Verlag, erfahren.